Friedhöfer Chronik

von Norbert Schröder


  Einiges zu uns und über uns                               
Friedhöfer / Friedhof - Ganz schön alt; doch jung erhalten stellen wir uns nun den Anforderungen der Zukunft. Fast 3 Jahrhunderte protokollierter Vereins-Geschichte bilden die Basis.
Wie alles begann, läßt sich - aus heutiger Sicht - kaum beschreiben. Vielleicht gelingt es uns noch die umfangreiche Friedhöfer Geschichte umfassend aufzubereiten.
Hier zunächst ein kleiner Überblick vorab. Als im Mittelalter die Städte zu ihrem Schutz sich mit Stadtmauern umgaben, blieben Bauerschaften und andere "Randerscheinungen" (Außenbereiche) - sicherlich aus Kostengründen und in Hinblick auf eine ausreichend effektive Verteidigung - auf der Strecke. Insofern waren die Bewohner des heutigen Friedhöfer Bereiches ausgegrenzt. Folge derartiger Entwicklungen ist meistens - und das traf hier zu - die Bildung einer neuen Gemeinschaft. Zu mittelalterlicher Zeit sicherlich eine "Schicksalsgemeinschaft". Gemessen an den damaligen Ereignissen wurde sie zu einem "Prellbock der Welten". Vor 1600, als die Niederlande sich mit den Spaniern "bekriegten", heißt es: "im Kampf der Stadt gegen die Spanier waren die Friedhöfer gut genug, jedoch Schutzbefriedigung innerhalb der Stadtmauern wurde ihnen verwehrt." (Nachweise darüber sind einer Übersetzung eines alten Dokumentes entnehmbar.) Ca 1500 besaß dieser Bereich eigene "Vorsteher", die z. B. bei Bauplatzvergaben eigenverantwortlich zuständig zeichneten. In Hinblick auf die Gemeinschaft ist anzunehmen, dass dort schon Feste auf der Basis des damaligen Schützenwesens begangen wurden.


Auch in der Zeit nach dem 30-jährigen Krieg, den - allerdings wegen der Pest - kaum einer überlebt haben dürfte, wurde Schützenwesen und -tradition gepflegt. In der gesellschaftseigenen Chronik heißt es - ausgesagt zu 1823 - : "Nachdem nun mehr als 30 Jahre kein Schützenfest mehr gefeiert wurde..." Also, da war doch was. Braucht nur noch ausgegraben zu werden. Doch wer kann und realisiert das angesichts der damaligen besonderen Sprach- und Schreibweise? In dieser Sache darf sich jeder Interessierte mitmachen. Also zurück ins 19. Jahrhundert: Nach napoleonischer Besatzungszeit hatte die preußische Obrigkeit ein Interesse, die Idee des Schützenwesens wieder zu beleben. Ließen sich doch so leichter, mit der Waffe vertraute Männer, für die "Politik mit anderen Mitteln" rekrutieren. Wörtlich kann man der vereinseigenen Chronik folgendes entnehmen:

"Da mit Bewilligung seiner Majestät des Königs, unser allergnädigster Herr, lt. Bekanntmachung des Herrn Oberpräsidenten Freiherr von Finke vom 27. August 1816, Amtsblatt No 7 den 14. September 1816 die Schützenfeste nicht nur allergnädigst erlaubt, sondern anempfohlen sind, so machte auch das Friedhöfer Eise im Jahre 1823 von dieser Allergnädigsten Erlaubnis gebrauch. Seit dieser Zeit hat das Fest von neuem hier bestanden, da es schon über 30 Jahre nicht mehr gefeiert worden war."

Es begann zunächst streitig durch Lagerbildung verschiedener Gruppen. Nach Beilegung dieser Differenzen und Erstellung einer durch Bürgermeister Terberger genehmigten Satzung entwickelte sich unsere Gesellschaft in der uns heute bekannten Form.

125 Jahre Schützenhaus/Schützenzelt (Link 8. Der Weg zum eigenem Schützenzelt)
Zu 1848 realisierte man den für die Festlichkeiten benötigten Raumbedarf durch ein zerlegbares Zelt. Die für die Finanzierung gesammelten Spenden sind in einer noch vorhandenen Spenderliste festgehalten. Zusätzlich wurden Mittel einer Lade (wohl Krankenkasse) eines Gesellenvereins verwandt. Desweiteren bürgten 7 Vorstandsmitglieder für die restlichen Verbindlichkeiten. Der Besitz eines solchen Zeltes muss damals schon etwas Besonderes gewesen sein, als insofern Aufzeichnungen die Weitervermietung dieser (Im?)Mobilie belegen. Über die Grenzen des Friedhofs hinaus fand es Verwendung. Die entferntesten Bezüge weisen Einsätze in Bentheim und Vreden aus. Man muss mal über die Entfernungen und verkehrstechnischen Möglichkeiten im vorigen Jahrhundert nachdenken. Nachweislich war auch Schlosser Schrand für Schraubenersatz im Einsatz. Aber nur so ließ sich das Zelt finanzieren.

So waren die Friedhöfer nicht nur irgendeine Gemeinschaft, sondern eine Bürgerinitiative zugleich. Desweiteren ist von häufigen Reparaturen des Zeltleinens und anderer Teile zu lesen. Begleitend zu den Unterlagen für den Bau des heutigen Schützenhauses ist festgehalten, dass sich nunmehr das Zelt in einem irreparablen Zustand befindet und daher für die Lösung des Problems ein festes Haus angedacht ist. So manches heutige Mitglied erinnert sich noch an die Bezeichnung "Schützenzelt" für unser heutiges Haus. Sie entwickelte sich aus der Erinnerung seines mobilen Vorläufers. 1874 wurde der Plan des "festen Schützenzeltes" in die Tat umgesetzt. Vereine oder Gesellschaften dieser Art besaßen mangels der Rechte heutiger "juristischer Personen" keine Möglichkeiten der Realisierung derartiger Vorhaben. So kam es dazu, dass Bernhard Böller "gehorsamst" - wie es sich für die damalige Zeit gehörte - in eigenem Namen für die Friedhöfer den Bauantrag für das Schützenhaus auf einem von den Erben Bruns erworbenen Grundstück stellte. Als Bau-unternehmer wurde Hubert Höffker vertraglich verpflichtet. Auch hier wurden wieder Spen-densammlungen durchgeführt. Das Schützenhaus war eines der ersten Häuser auf der damaligen Blocktorfeldmark.

Schnell stellte sich jedoch heraus, dass Bedarf für eine Erweiterung bestand. Der erste Ausbau - noch 19. Jahrhundert - waren die heutigen Sitzbereiche Richtung Laudamm (damals "auf dem Lau"). Dieser Ausbau erfolgte nicht in ganzer Länge des Schützenhauses. So mancher wird sich noch an die im Außenbereich befindlichen fürchterlich stinkenden Toiletten - links neben dem alten Eingang - erinnern. Basis der Erweiterung war ein Fachwerk, das in damaliger Technik preisgünstig - um nicht zu sagen: billig - erstellt wurde. Das Holz dazu wurde in umliegenden Wäldern in passender Stärke geschlagen und behauen (wie auch vormals). Die dabei anfallenden Späne wurden - nach Bekanntmachung durch einen bezahlten (50 Pfennig) öffent-lichen Ausrufer - verkauft. Derartige Späne waren fürs Anzünden häuslicher Feuerstellen von Bedeutung. Wegen der "billigen" Bauart waren wiederum umfangreiche Renovierungen die Folge.

Im Zuge der Weltkriege wurde unser Schützenhaus regelmäßig für nationale Zwecke requiriert. Überwiegend war es als Lager ge-nutzt. Zur Zeit des "3. Reiches" wurde es von einer nationalsozialistischen "Luftsportgemeinschaft" genutzt. Durch den durch die Beschlag-nahmung fälligen Mietzins sind die Friedhöfer aber nicht reich geworden.1948 wurde die auf dem 1954er Bild (rechter Bildrand) erkennbare "Kaffeeküche" erstellt. Auf diesem Bild ist auch das Tragegerüst des Zeltvorbaus über dem alten Eingang, das bis in die 70er Jahre im Einsatz war, erkennbar. Nur wenige werden sich noch an den in der Mitte des Frontgiebels befindlichen Eingang erinnern. Zu jener Zeit hatte das Haus innen noch 2 Theken, rechts und links vom Eingang. Die zum Tanz aufspielende Musik saß über den - später, nach Verlegung des Eingangs nach links über der(n) - Theke(n) im Frontgiebel mit Blick auf die Tanzfläche. Zu dieser Zeit hatten wir auch noch keine Holzzwischendecke, so dass im ungeschmückten (Birkengrün) Zustand ein Blick bis unter die Dachpfannen möglich war. In den 60er Jahren wurde "aktien"unterstützt der angrenzende Teil des rechts am Schützenhaus liegenden Gartens käuflich erworben. Die heutige äußere Form wurde nach Plänen des Königs von 1971, Heinrich Lünnemann realisiert. Mit Hilfe einer "Pfandbrief"ausgabe sowie eines Darlehens der Brauerei Rolinck und viel Körpereinsatz der Mitglieder wurden die Erweiterungen (Küche, Gesellschaftsraum, kleines Lager, Innentoilette, Außentoilette, jetziger Heizungskeller) getätigt.

Heute
Bei dieser nur kurz angerissenen Vorgeschichte unserer Gemeinschaft und unseres Schützenhauses hattn wir Grund genug, "Geburtstag" groß zu feiern. Dieser Geburtstag veranlaßte uns aber auch, die Tradition der Schützenhauserhaltung und des Schhützenhausausbaus fortzusetzen. Sein Geburtstag war Anlass, darüber nachzudenken, wie wir dieser Verpflichtung genügen können. Der zu den Hobbytagen ausgetragene Wettbewerb zur Schützenhausvorplatzgestaltung wurde vielleicht nicht von allen so ernst genommen, wie er denn hinsichtlich einer Realisierung Appetit aufkommen ließ. Gespräche mit der Stadt zeigten aber insofern Grenzen auf, als dass eine veränderte Nutzung die derzeitigen Parkmög-lichkeiten einschränken würde. Wir wurden unversehens wieder zu einer Schicksalsgemeinschaft, - dieses Mal positiv - als uns die Erstellung eines in der Planung berück-sichtigten Parkplatzes angetragen wurde. Allein infrastrukturell erfahren wir eine erhebliche Aufwertung unseres Schützenhauses. Unsere Nachbarschaft erfährt weniger Belastung und die Attraktivität unseres Hauses gewinnt. Wie zuletzt in den 70er Jahren, als wir noch von Sonne oder Regen geschützt unter dem Vorzelt feierten, wird uns das voraussichtlich bald wieder möglich sein. All das wurde bis zum Jubiläum am 1. Juliwochenende - unserem gewohnten Schützenfesttermin - geschafft. Im Kreise von 16 Vereinen wurde der Ehrenkönig Hans Hermann Schlockermann gekrönt. Jetzt, im 21. Jahrhundert blickt "usse Hues" auf eine Repräsentanz in 3 Jahrhundert zurück. Es ist inzwischen fast täglich frequentiert.

Kiek es moal 'rin