Das Schützenwesen von 1823 - 1933 

9. Teil

Die  "Friedhöfer  Todten-Lade".

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   Das die Friedhöfer auch bemüht waren, gewisse soziale Aufgaben zu erfüllen, beweist ein noch in ihrem Besitz befindliches altes Protokollbuch mit der Aufschrift "Friedhöfer Todten-Lade". Darin wird berichtet, daß sich die Bürger vom Friedhof - unter der Initiative des Vorstandes der Schützen-Gesellschaft - am 1. Oktober 1843  beim Wirt Berkemeyer   versammelt und über die Gründung einer Unterstützungs-Gesellschaft bei Sterbefällen beraten haben. Diesem Verein gab man den Namen "Friedhöfer Totenlade". Jeder Bürger vom Friedhof, der sich zur christlichen Religion bekannte, sollte Mitglied werden können. Zu Vorstehern wählte man den rührigen Ludwig Degener, der seit 1833 auch Kommandant der Schützengesellschaft war, und Josef Brüggenkamp. Die Totenlade ist eine Einrichtung der gegenseitigen Hilfe für den Fall des Todes eines Mitglieds.   Aufgabe dieses Vereins war es, bei Begräbnissen unentgeltlich die erforderlichen Träger aus ihren Reihen zu stellen. 1845 wurde außerdem noch eine Unterstützungskasse gegründet. 1847 zählte der Trageverein schon 57 und der Unterstützungsverein 51 Mitglieder, unter ihnen bekannte Persönlichkeiten wie Dr. Hofmann, Kreisphysikus Dr. Brosius und Reinhardt; die an die Hinterbliebenen zu zahlende Prämie konnte mit steigender Mitgliederzahl allmählich von 1 auf 3 Reichstaler erhöht werden.    Friedrich Hofmann, praktischer Arzt und Kreisphysikus in Burgsteinfurt, hat 1841 den Ohrenspiegel erfunden und damit die universelle Untersuchungstechnik im Hals-Nasen- Ohrenfachgebiet begründet. Friedrich Hofmann heiratete Josefine, die Tochter des fürstlichen Hofrates Bornemann, und wurde damit in Burgsteinfurt heimisch. Nach dem baldigen Tode seines Onkels (am 6.11.1836) übernahm er dessen Praxis und erbte sein schönes Haus mit dem großen Garten (Friedhof 1). Dieser Garten hatte der gräfliche Rentmeister Friedrich Anton Houth  im Jahre 1721 angelegt, der im Jahre 1708 Anna Margarete Brand geheiratet hatte, die Erbtochter des letzten Besitzers der Apotheke am Markt (Nr. 7). Sein Verdienst ist auch die Errichtung des ersten katholischen Krankenhauses im Jahre 1861 und die Errichtung des evangelischen im Jahre 1880. Im Jahre 1853 erwarb er ein großes Grundstück in der Nachbargemeinde Leer (Bauernschaft Haltern), das er seiner Tochter Melene vermachte. Diese erbaute im Jahre 1902 das Haus Loreto, ein Waisenhaus für katholische Kinder. Die Einrichtung "Friedhöfer Totenlade " hat fast 45 Jahre lang  bestanden und rechtsegensreich gewirkt.