Die Friedhöfer und ihr Schützenfest2. Teilvon 1478 -1823 |
In Steinfurt
gab es im 15. Jahrhundert mehrere Bruderschaften, die sich nach ihren
Schutzheiligen nannten und ihre Aufgabe in der Verübung von Werken der Frömmigkeit
und Nächstenliebe, in der Förderung der Interessen ihrer Mitglieder, in der
Pflege der Geselligkeit und in der Veranstaltung eines jährlichen großen
Festschmauses erblickten. Diese
Bruderschaften bezeichneten sich,
ebenso wie es auch die Zünfte der Handwerker taten, als Gilden, und ihre Feste
hießen Gildebiere. Die zahlreichste Gilde in Steinfurt nannte sich nach dem
volkstümlichsten Heiligen des Mittelalters die St. Antonius-Gilde, und sie
stand, wie aus einer Urkunde vom 5. Februar 1478 hervorgeht, mit der St.
Sebastianus-Gilde in enger Verbindung. Da nun der Hl. Sebastian in unzähligen
deutschen Städten der Patron der örtlichen Schützengilde gewesen ist, so
unterliegt es keinem Zweifel, dass die Steinfurter Sebastianusgilde eine der so
ziemlich alle Bürger umfassenden Antoniusgilde angegliederte Schützengilde
gewesen ist.
Die
Wurzeln der Friedhöfer-Schützengesellschaft sowie der Schützengilde liegen
wohl in den Bruderschaften des 15. Jahrhunderts. Bei den ersten Schützengesellschaften
und Schützengilden handelte es sich in mehr oder weniger lockere Zusammenschlüsse.
Die genaue Entstehungszeit der Steinfurter Schützenvereine liegt durch die Brandkatastrophe
im Jahre 1488 etwas im Dunkeln, da das Archiv in Schutt und Asche gelegt
wurde. Die wichtigsten Quellen für die heutige Darstellung bilden (unvollständig)
erhaltene Rechnungen des gräflichen Rentamtes Steinfurt, aus dem
Jahre 1475, in denen von Schenkungen von Tonnen Bier, Erbsen und Bohnen an
die „Selschap“ oder „Geselschap“ die Rede ist. Diese jährlich
wiederkehrenden Schenkungen erhielten alle „Geselschapen“ (=Gesellschaften)
der damaligen Zeit; wie der Schützengilde,
-
Friedhöfer,
- Hollich,
- Sellen,
Veltrup und der
-
Borghorster.
Solche
Aufzeichnungen sind auch für die vorhergehende Zeit anzunehmen, sie wurden
jedoch bei der grauenvollen Verwüstung der Stadt im Jahre 1488 vernichtet. Als
sich die Stadt in den nächsten Jahren von diesem schweren Schlag erholt hatte,
begannen auch die Schützenfeste und damit zugleich die Protokolle, wenn auch
nur in lose Blätter verschiedenen Inhalts. Aus den Ratsprotokollen erfahren wir
dass das Schützenwesen eine Angelegenheit der Stadt war. Der Rat bestimmte Zeit
und Ort für die Abhaltungen des Schützenfestes, und alle Bürger nahmen, nach
den drei Eisen oder Stadtteilen geordnet daran teil, wobei die Friedhöfer sich
dem Kirchsträßner Eis anschlossen.
Geschossen
wurde in älterer Zeit mit der Armbrust nach dem Vogel auf der Stange, später
mit dem Rohr oder der Büchse nach der Scheibe .
Der Friedhof als Vorstadt hat schon immer ihr
Eigenleben geführt. Als wohl ältester Teil der Stadt hat der Friedhof in der
Geschichte Steinfurts immer eine besondere Rolle gespielt. So sind die
Friedhöfer in den Bürgerlisten
von 1347 bis 1391 als Bedienstete der damaligen Edelherren
nicht aufgeführt. Sie waren
von Pflichten ( Stadtgräben eisen und Wachdienst leisten) entbunden. Von
1621 bis 1632 waren sie sogar politisch selbstständig und wählten ihre
eigenen Schöffen und Bürgermeister. Die Vorstadt „Friedhof“ besaß
geringere Befestigungen als die Stadt und bei der Großen Kirche ein hölzernes
Tor, das Blocktor.

Im 30-jährigen Krieg musste der Friedhof stärker befestigt
werden. So entstanden drei Blockhäuser und 1647 schließlich die Citadelle.
Bereits im Bürgerbuch von 1391 werden die Anwohner des Friedhofs stets mit dem
Zusatz aufgeführt „up den Vrithove“. In den Burgsteinfurter Gildebriefen
und Gildebüchern aus der Zeit um 1600 heißt es immer wieder
„bynnen der Stadt und Freithof“ und so bleibt es auch in den
folgenden Jahrhunderten. Das bedeutet also wohl, dass man den
Friedhof nie als einen Bestandteil der eigentlichen Stadt, sondern immer
als eine Art Vorstadt angesehen hat. Für ihre Schießübungen erhielten sie vom
Rat der Stadt die Erlaubnis, ihre Schießübungen auf dem Meteler Wall
abzuhalten.


Schüttenwall