Die Friedhöfer und ihr Schützenfest2. TeilWas bedeutet der Name „Friedhof“ und ist dieser Bezirk wirklich älter als die Stadt ? |
Der Name
„Friedhof“ bezeichnet einen durch religiöses Gesetz befriedeten, das heißt
für unverletzlich erklärten und unter Asylrecht gestellten Ort, also in diesem
Falle den geheiligten Bezirk bei altgermanischen Kultstätte, an deren Stelle
die Große Kirche getreten ist.
Die Frage, ob die Geschichte des Friedhof „Freie Hof“ älter als die der Stadt ist, läst sich vielleicht so beantworten. Bereits am Ende des 12. Jahrhunderts, nach dem dritten Kreuzzug, waren die Kommende als Niederlassung des Johanniterordens, die Burg und die Große Kirche vom Grafen Rudolf gegründet und gestiftet worden. In deren Nähe siedelten sich Handwerker an, die den Edelherren und Klosterbrüdern ihre Dienste anboten. Im Anschluss an den Vorgängerbau der Großen Kirche entstand im 12. Jahrhundert eine Siedlung, der heutige Stadtteil Friedhof. Gesichert war der Friedhof „Freie Hof“ durch ein eigenes Wassergrabensystem und zwei Tore. Gegen Ende des 13. Jahrhunderts entwickelte sich der Marktplatz die heutige Stadt mit dem Zugang zur Burg.

1395,
geschah es, dass Otto IV., Bischof zu Münster, im Rechtsstreit gegen Steinfurt
ein richterliches Papier in der Tasche hatte, „ mit
Urteil und Recht bescheinigt“, das 15 Kirchspiele dem Richterspruch von
Sandwelle zusprach. Im folgenden Jahr ist dieses Urteil keinen Heller mehr wert,
denn der „hochedle“ Ludolf von Steinfurt hatte den Otto IV. festnehmen und
ihn zum Zwecke innerer Einkehr in den mächtigen Buddenturm seiner Steinfurter
Burg einsperren lassen. Für Otto bot sich nur eine Lösung an. Wenn er dem
muffigen Kerkerturm entkommen wollte, musste er auf seine Rechte – ihm durch
Urteil verbrieft – verzichten. Am Ende seiner unfreiwilligen Exerzitien steht
fest: die von Steinfurt bestrittenen „Rechte, die er seines Stiftes wegen an
den Kirchspielen Steinfurt und Borghorst zu haben meinte“, verkauft er dem
Edlen Ludolf für 7.500 Goldgulden.

Ludwig Hätte Graf Anno 1780 gewusst, welche Attraktion ein alter
Kerkerturm einmal werden könnte, vielleicht hätte er sich nicht entschlossen,
die Überbleibsel aus der Zeit der
„Gründerjahre“ zu liquidieren, so die Wälle und den klobigen Buddenturm.